03. Februar 2021 – Von Mosambik nach Tansania

Nachdem wir zwischen Teesträuchern auf den Teeplantagen bei Gurue spazieren gehen konnten, sahen die Anpflanzungen der Macademia Nüsse etwas anders aus. In Reih und Glied standen die Bäume auf den Plantagen, umgeben von 2 Zäunen wovon einer sogar mit Strom gesichert war. Die Nüsse scheinen also definitiv mehr Geld zu bringen und so ist es leider nicht verwunderlich, dass die Teeplantagen immer mehr verschwinden und dafür Macademia Plantagen entstehen.

Die katholischen Missionare, bei denen wir übernachtet haben, wären stolz auf uns, weil wir am nächsten Tag sogar noch eine Kirche besucht haben. Der Gottesdienst war wohl gerade vorbei, aber in der Kirche waren noch etliche Leute und sangen miteinander. Plötzlich formierten sich im Gang einige Mädchen und führen einen Tanz auf. Es war ein stetiges kommen und gehen und hatte nicht so viel mit einer Kirche am Sonntag in Deutschland zu tun.

Auch heute, genau eine Woche später sitzen wir wieder in einem katholischen Gästehaus in Peramiho bei Songea/Mosambik und schreiben gerade diesen Blog. Der ganze Ort besteht aus einer Benediktiner Abtei, die hier ein großes Krankenhaus betreiben und auch Ausbildungen für junge Tansanier anbieten. Wir kamen gerade nach dem Gottesdienst an und konnten noch die bunte Vielfalt der Kirchenbesucher bestaunen. Zum Gottesdienst wurden die besten Kleider heraus geholt und auch das Tragen eines Hemdes mit Fliege ist nicht selten. Wir erfuhren eine herzliche Gastfreundschaft und erhielten nachmittags noch Besuch von einem deutschen Pater, der seit 64 Jahren hier lebt. So erfuhren wir, wie es damals war wenn man für die katholische Kirche ins Ausland ging und das jetzt nur noch 4 deutsche Missionare hier leben, die alle älter als 85 Jahre alt sind. Früher musste man sich für ein lebenslangen Aufenthalt entscheiden und heute führt es die jungen Leute nur noch für ein „Abenteur“ nach Afrika in die Missionen. Es war ein sehr interessanter Nachmittag.

 

Doch bevor wir hier überhaupt angekommen sind, haben wir noch einiges unterwegs gesehen und erlebt. Von Gurue ging es auf abenteuerliche Strecke nach Malema. Durch die Regenfälle der vergangenen Tage war die Piste in einem sehr schlechten Zustand und Sandfloh passte teilweise gerade eben auf den Pfad zwischen den mind. 50 cm tiefen Auswaschungen rechts und links. Die ca. 300 km nach Lichinga kurz vor dem Malawi See (der hier Lake Nyasa heist) waren dafür neueste Asphaltstraße und so waren wir abends bereits in Lichinga. Leider war aber der Campingplatz geschlossen und die Zimmer der kleinen Pensionen alle von der Fußballmannschaft aus Beira belegt (wie wir beim Essen mitbekamen) und so hatten wir das erste Mal Pech und schliefen in einem muffigen Zimmer ohne Fenster.

Dafür entschädigte uns der Campingplatz direkt am See, wo wir 2 Tage direkt am Strand standen und wie die Einheimischen unsere Wäsche einfach im See wuschen. Das Leben kann so simpel und schön sein.

Bevor wir die Piste zur Grenze nach Tansania in Angriff nahmen, fanden wir sogar noch einen wilden Schlafplatz mitten im Wald, der ebenso in Deutschland oder Pollen hätte sein können.

Zum Glück waren wir abends schon die ersten 80 Km gefahren und am nächsten Morgen schon vor 8:00 Uhr wieder unterwegs. Für die insg. Ca. 220 Km bis zu Grenze (ca. 160 km Piste) benötigten wir 7 Stunden. Die Piste war eigentlich gut, aber durch den Regen sehr rutschig und ein liegengebliebener LKW versperrte dann auch noch den Weg.

Die Ausreise aus Mosambik war unspektakulär, außer dass der Beamte plötzlich einen Corona Test verlangte. Da Tansania keinen vorschrieb, legten wir einfach den Test aus Südafrika von vor 4 Wochen vor. Dieser wurde schön brav fotografiert und wir waren ausgereist. Die Einreise entpuppte sich dann als etwas schwieriger und typisch afrikanisch. Freitagnachmittag arbeitet angeblich keiner mehr im Büro im 120 Km entfernten Songea, aber von dort benötigte die Beamtin eine Kontrollnummer. Was machen wir den jetzt? An der Grenze übernachten? Aber am nächsten Tag ist ja Samstag und auch kein Büro geöffnet und bis Montag im Niemandsland? Aber zum Glück fand Michaela (die Grenzerin) eine Lösung, dank der persönlichen Handynummer eines Kollegen wurde das Büro noch einmal geöffnet und die Kontrollnummer per Bild rüber geschickt. Nun kam Problem Nummer 2, sie hatte das Visum bereits im Pass vermerkt, aber wir noch nicht bezahlt. Das ginge auch nur in Songea und sie könnte die Pässe nicht einfach wieder aushändigen. Wir könnten ihr aber die 100 USD geben und noch 10 für Ihren Kollegen und der würde dann für uns die Bezahlung vornehmen!? Mittlerweile war es nach 18:00 Uhr und die Grenze geschlossen. Wir wollten jedoch keine zusätzlichen Dollar bezahlen, unser Toyo war auch noch nicht eingereist… also erst mal die Einfuhr von Sandfloh vornehmen, bevor der Kollege in den Feierabend geht. Danach wollte Michaela auch kein extra Geld mehr, bekam von uns 100 USD und wir eine Telefonnummer, die wir am nächsten Tag anrufen sollten, damit uns unsere Quittung ins Hotel gebracht wird. Um 19:00 Uhr verliesen wir die Grenze und vor uns lagen noch 120 Km nach Songea. Um 23:00 Uhr endlich das Ankunftsbier im Hotelzimmer, welches umgerechnet ca. 5 EUR kostete. Zum Zimmer selbst brauchen wir bei dem Preis wohl nichts mehr erleutern, oder? Aber es war für 2 Tage unser Zuhause, Sandfloh stand sicher und wir bekamen am nächsten Tag sogar unsere Quittung dorthin  gebracht. Eine kleine Suaheli / Englisch Session eingeschlossen.

Eigentlich wollten wir jetzt schon am nördlichsten Punkt des Lake Nyasa sein, aber bei Sandfloh waren 2 Blattfedern gebrochen (kein Wunder bei den mosambikanischen Schlaglöchern) und Bruder Maximilian, der am Sonntagnachmittag auch noch vorbei gekommen war, überzeugte uns von der guten Werkstatt des Klosters und nun sind wir schon den dritten Tag hier. Währens unser Toyo bei Bruder Kevin in den besten Händen war, bekamen wir einen sehr interessanten und umfangreichen Einblick in den gesamten Klosterkomplex.  Bruder Maximilian führte uns den ganzen Tag herum und von Pater Luzius erhielten wir ein exklusives Orgelkonzert in der Kirche. Es war einfach unglaublich. 

Das große Hospital hatte in ganz Tansania einen sehr guten Ruf und war gut ausgerüstet. Trotzdem waren die „normalen“ Zimmer eher erbärmlich ausgestattet. Aber es gab Waschmöglichkeiten für die Angehörigen und Stellen, wo diese Feuerholz lagern und für ihre Angehörigen im Hospital kochen konnten. Der Müll wurde in einer eigenen Müllverbrennungsanlage unter großer Hitze entsorgt. Die Finanzierung der laufenden Kosten gestaltet sich aber leider immer schwieriger, da das „private“ Krankenhaus keine Zuschüsse vom Staat erhält und große Spender eher Geld für Neubauten geben, aber die laufenden Kosten davon kaum gedeckt werden können.

Wir spürten aber auch die Angst und Bedenken der übriggebliebenen deutschen Ordensbrüder, was mit dem Klosterkomplex passiert, wenn sie nicht mehr vor Ort sind. Pater Kunibert hat hier in den letzten 60 Jahren sehr viele der Gebäude aufgebaut und in Stand gehalten, aber es gibt keine wirklichen Nachfolger bzw. es fehlt die Strukturiertheit und Gewissenhaftigkeit bei den einheimischen Brüdern.

 

2 Kommentare

  1. Könnt Ihr mal damit aufhören uns so unverschämt schöne Berichte zu schicken……. Wie soll man das nur aushalten. Wir beneiden Euch sehr um diese tolle Zeit. bei uns dauert es ja noch etwas. Weiterhin eine super Zeit und good Luck!

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